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Der Neubeginn nach 4 Jahren Weltkrieg - Die Ära Wilhelm Jung und Max Lange
In der Jubiläumsschrift zum 30-jährigen Bestehen des Vereins (1921) findet sich folgender Satz:
"Der Weltkrieg 1914 setze allen sportlichen Wünschen und Zielen ein jähes Ende. Auch in unseren Reihen hat er
eine große Lücke gerissen."
In den Kriegsjahren hatte es praktisch kein Vereinsleben gegeben. Die Werse-Badeanstalt drohte
zu verfallen. Einigen älteren Mitgliedern, insbesondere Rektor Nonn, ist es zu verdanken,
dass der Verein immerhin "verwaltet" wurde.
1918: Aber schon am 21.12.1918 - wenige Wochen nach dem Waffenstillstand - fand die erste Versammlung
nach dem Krieg statt. Der seit 1913 amtierende 1. Vorsitzende Wilhelm Jung wurde im Amt bestätigt.
Er behielt es bis 1921, stand aber dem Verein als Ehrenvorsitzender in den folgenden Jahren weiterhin
zur Verfügung.
1919: Am 1. Mai wurde die Werse-Badeanstalt wieder eröffnet. Trainingsmöglichkeiten
hatte es in den Wintermonaten kaum gegeben, da der Betrieb des Hallenbades wegen Kohlenmangels
längere Zeit stillgelegt werden musste.
Am 7.12.1919 wurde das erste Schwimmfest nach dem Kriege abgehalten
(zwei Osnabrücker Vereine und die beiden Münster'schen Vereine).
1920: Pläne zur Renovierung der Flußbadeanstalt in Sudmühle wurden entwickelt, mussten aber
zunächst wegen zu hoher Kosten wieder aufgegeben werden. Aufgrund eines Abkommens mit der Militärverwaltung,
das Bad auf 20 Jahre an mehreren Tagen dem Militär unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, wurden
Renovierung und Umbau schließlich doch noch verwirklicht. Das Abkommen hat sich im Laufe der Zeit
offensichtlich von selbst erledigt. Immerhin hat ein Münster'sches Pionierbataillon
(Zugführer war Männe Busch, Vereinsmitglied und guter Schwimmer) viele Jahre lang jeweils
im Frühjahr zwei 50 m voneinander entfernte Startbrücken gebaut. Die Brücke an der Clubhausseite
ermöglichte die Verbindung zum anderen Werseufer und dadurch die Einbeziehung der gegenüberliegenden
Wiese in die Badeanstalt.
1920: wurde auch die Damenabteilung gegründet. Ihr wurde Selbstverwaltung, aber keine Verselbstständigung
zugestanden. Sie trat in die Rechte und Pflichten des Vereins ein, wählte ihren Vorstand;
Stimmrecht haben die Damen jedoch erst 1955 erhalten. Das tat ihrem sportlichen Ehrgeiz jedoch
keinen Abbruch; u.a. machten damals Reni Hausmann, Käthe Rachel, Änne Pelzer und später
Sefi Holtermann von sich reden.
1921: Das 30-jährige Bestehen des Vereins wurde in bescheidenem Rahmen gefeiert. In der Festschrift
berichtet der Verfasser im Pathos der damaligen Zeit über den Ablauf der Vereinsgeschichte.
Im Jubiläumsjahr löste Max Lange Wilhelm Jung als 1. Vorsitzenden ab. Im Mittelpunkt seiner
siebenjährigen zukunftsorientierten Tätigkeit stand die Planung für den Bau des Clubhauses,
die er trotz finanzieller Engpässe, die noch durch die Inflationszeit 1922/23 verschärft wurden,
zäh verfolgte.
1926 wurde eine Baukommission bestellt, die aus den Herren Professor Dr. Stühmer, Robert Beckhoff
und Paul Mosecker bestand.
1927 konnte das Haus seiner Bestimmung übergeben werden. Noch heute ist es unsere Heimstatt.
Der Kostenvoranschlag belief sich auf 66.000 Mark, der, wie der Chronik zu entnehmen ist,
nicht ganz eingehalten werden konnte. Die Finanzierung wurde dargestellt zum kleineren Teil
durch eigene Mittel, darüber hinaus städtische Darlehn, öffentliche Zuschüsse und eine
Hauszinssteuerhypothek auf den Besitz Hovestadt. Die für den Verein entstandene Schuldenlast
hat große Sorgen bereitet.
Weitere erwähnenswerte Ereignisse aus der Ära Max Lange
1924: Der Schwimmverein Münster übernahm die Durchführung des 33. Verbandstages
des Deutschen Schwimmverbandes, der ursprünglich für Bonn vorgesehen war, jedoch wegen
der Rheinlandbesetzung nach Münster verlegt wurde.
1926: Der Schwimmverein Münster wurde in das Vereinsregister eingetragen. Am 8. November 1926
wurde das 35-jährige Stiftungsfest gefeiert. Mit Stolz und Akribie berichtet die Chronik über alle
Vertreter des öffentlichen Lebens, die entweder anwesend waren oder ihre
Glückwünsche übrachten.
Sportliche Aktivitäten und Jugendarbeit 1921 bis 1928
Die Erziehung und Förderung der Jugend war deutlich vorrangiges Ziel der Vereinsarbeit,
das sich auch in sportlichen Erfolgen niederschlug. Die Chronik aus dieser Zeit berichtet
z.B. 1923 von 28 ersten, 51 zweiten und 3 dritten Preisen; 1925 waren es 52 Siege, 24 zweite
und 10 dritte Plätze.
Gesellige Veranstaltungen, die in den Jahren 1921 bis 1928 begründet wurden, und die ihre Tradition,
zum Teil bis heute, bewahrten: - z.B. der Maigang, eine größere Wanderung, die schon ab 1919 regelmäßig
durchgeführt wurde. Später lebte diese Tradition in den Vatertags-Radtouren wieder auf, um die sich
in der Nachkriegszeit Ferdi Novak verdient gemacht hat. 1986 erweckte Rüdiger Tretow sie zu neuem Leben.
- Das Winterfest, erstmals in den zwanziger Jahren jeweils im Februar gefeiert. Im Januar wurden
hierfür drei Tanzübungsabende veranstaltet. Das Winterfest wurde bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges
regelmäßig durchgeführt, in den drei folgenden Jahrzehnten immerhin noch von Fall zu Fall.
- Das Fastnacht-Sonntagsnachmittag-Königs-Kaffee-Kuchenessen (FSNKKK), eine sehr lustige karnevalistische
Veranstaltung in Sudmühle am Nachmittag des Fastnachts- Sonntag. Die Tradition wurde bis zum Beginn des
Zweiten Weltkrieges aufrechter halten, nach dem Krieg lebte sie - leider - nicht wieder auf.
- Die Italienische Nacht, erstmalig 1923 durchgeführt. Die Tradition hat sich bis heute erhalten.
Seit etlichen Jahren heißt die "italjänige" Nacht nur noch schlicht "Sommerfest". In Verbindung mit
dem Sommerfest wird heute auch das Schützenfest gefeiert, dessen Tradition bis in die 90-er Jahre
des vorigen Jahrhunderts zu rückreicht. Die Schützenkette ist noch vorhanden.
Das ernste Bemühen um ein reges Vereinsleben zeigt sich nicht nur in der Pflege der Geselligkeit,
sondern auch darin, dass bis in die dreißiger Jahre hinein neben den Hauptversammlungen regelmäßig
Monatsversammlungen stattfanden, in denen auch verbindliche Beschlüsse gefaßt wurden.
Kennzahlen
- Münster hatte 1918: 99.212, 1920: 102.010, 1925 108.096 und 1928 116.040 Einwohner
- Mitgliederzahlen der Schwimmvereinigung 1891 23 und 1920 339
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